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GOLF-MEDIZIN | Mehr als eine Alternative


Corinne Heitz

Dr. phil. I. Corinne Heitz ist approbierte Naturärztin und langjährige Präsidentin der schweizerischen Vereinigung für Mikroimmuntherapie. Sie legte in Deutschland die staatliche Heilpraktikerprüfung ab und behandelt seit 1997 in eigener Praxis Patienten mit komplementärer Naturheilkunde. Wir trafen die leidenschaftliche Golferin in ihrer Praxis in der Schweiz über dem Bodensee. Ein Gespräch über die Medizin und ihre Grenzen...

 

Golfmedico: Frau Dr. Heitz, die Naturheilkunde muss gegen viele Vorurteile ankämpfen. Weshalb ist das in unserer heutigen Welt so?
Dr. I. Corinne Heitz: Das war leider eine traurige Entwicklung, die sich jedoch derzeit wieder umkehrt. Die Naturheilkunde ist ein sehr altes Gebiet, während die heutige Medizin sehr modern ist. Naturheilkunde beinhaltet das Wort heilen, während Medizin den Wortstamm des Heilmittels = Medikament beinhaltet – eigentlich ist damit bereits sehr viel gesagt.

Erklären Sie es uns bitte dennoch...
Heitz: Nun, ich verstehe die Angst der Mediziner und Pharmaindustrie vor Alternativen. Einerseits wird der Arzt mit Dingen konfrontiert, die er auf der Uni niemals gelernt hat. Es geht im Medizinstudium hauptsächlich um Medizin, also Symptombehandlung. Zudem spielt Haftung eine sehr große Rolle in Behandlungsstandards. Wofür werde ich sofort haftbar gemacht? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Ärzte um die fünfzig mit einem Umdenken beginnen. Sie fragen sich dann häufig, ob nicht mit einer Kombination aus beiden Bereichen mehr zu erreichen ist; denn jeder gute Mediziner ist auf lange Sicht dankbar dafür, ein grö­ßeres Repertoire an Heilungsmöglichkeiten zu besitzen. Dann beginnt er mit einem vollkommen neuen Studium – und die Naturheilkunde ist ein weites Feld.

Und die Pharma-Industrie?
Heitz: Agiert ja verständlicherweise nach Profit. Mit vielen Naturheilmitteln lässt sich jedoch kein Geld verdienen, zumal die Natur sie ja zur Verfügung stellt. Zudem funktio­niert die gesamte Medizin-Industrie mit ­einem sehr wissenschaftlichen Standard: Alles, was nicht in klinischen Studien getestet und bewertet wurde, ist schlichtweg nicht existent oder nicht wirksam. Das ist eine sehr strenge Wissenschaftsgläubigkeit, die aus meiner Sicht gefährlich ist, denn Studien sind nicht für alle finanzierbar. Erfahrungsstudien gibt es in der Naturheilkunde zuhauf...

Gibt es spontan Beispiele für Erfolge mit der Naturheilkunde, die Ihnen aus Ihrer Praxis einfallen?
Heitz: Der Erfolg beginnt damit, sich Zeit für ein Erstgespräch zu nehmen. Ich erhalte pro Woche zehn Mails von medizinisch austherapierten Patienten, die dann fragen, ob wir ihnen in ihrer Verzweiflung helfen können. An diesem Punkt beginnt Heilkunde und endet wirtschaftliche Kassenmedizin. Ich werde Ihnen keine konkreten Beispiele zu täglich vorkommenden Schwersterkrankun­gen nennen, zumal wir sofort Probleme mit gewissen Herrschaften bekommen würden. Nur so viel: Wenn ein schwer an Neurodermitis erkrankter Patient mit offener Haut am gesamten Körper die Praxis betritt, er seine Arbeit aufgeben musste und medizinisch austherapiert ist, dann sind es die größten Bestätigungen und Glücksmomente meiner Berufung, wenn dieser Mensch nach sechs Monaten wieder vollkommen gesund ist und bleibt.

Wie gehen Sie damit um, dass viele Menschen die Naturheilkunde ein wenig als ­Hokuspokus abstempeln? Mir ist ein Bei­spiel im Gedächtnis, als jemand wegen Schulterbeschwerden zum Zahnarzt sollte...
Heitz: Ja, nachvollziehbar. Wenn man weiß, worum es da geht (lacht). Anscheinend ein fachlich guter Kollege! Die ganzheitliche Betrachtung des Körpers und dessen kausale Zusammenhänge gehören zum Grundstudium der Naturheilkunde. Die Krankheit entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Komponenten. Um kurz auf den Zahnstatus einzugehen: Ein Schulterproblem kann in der Tat von wurzelbehandelten oder entzündeten Sechser-Zähnen unten kommen. Es gibt da nachweislich Fälle, bei denen die Zähne saniert wurden und die Schmerzen verschwanden. Ich persönlich finde diese Möglichkeit charmanter, als mir die Schulter operieren zu lassen, zumal ich keine Angst vorm Zahnarzt habe (lacht). Aber Spaß beiseite: Die Möglichkeit besteht, wird nur nicht in Betracht gezogen, und dann endet für mich die Seriosität einer ganzheitlichen Behandlung.

In diesem Zusammenhang sei die Frage nach Ernährung und Umwelt gestellt. Wie sehen Sie diese Problematik?
Heitz: Viele Branchen und Interessenverbände produzieren Dickmacher und liefern parallel dazu Schlankmacher – das ist profitabel! In meiner Praxis gibt es beispielsweise keine Diät. Ich setze auf Aufklärung und gesunden Menschenverstand. Es gibt Hunderte Zusatzstoffe und toxische Substanzen, die in unseren Lebensmitteln zugelassen sind. Es gibt Zuckeraustauschstoffe, die als gesund deklariert werden, jedoch zur Insulinproduktion und somit zu Heißhunger führen, beispielsweise Saccharin, das auch in der Schweinemast zum Einsatz kommt. Wer sich von alldem fernhält, auf die Verpackungen achtet und eher Bio als konventionell kauft, hat schon einen großen Schritt getan.

Und wie stehen Sie zu der künstlichen Zuführung von Nährstoffen?
Heitz: Das ist ebenso einfach zu beantworten: Es ist wichtig, Mängel zu behandeln. Es macht keinen Sinn, präventiv alles Mögliche zuzuführen, jedoch ist es äußerst wichtig, Mängel im Vitamin- und Nährstoffbereich auszugleichen. Die sogenannte Orthomolekulare Therapie spielt in einem ganzheitlichen Ansatz der Heilung immer eine große Rolle.

Sie haben eine interdisziplinäre Doktor­arbeit in Philosophie und Medizin geschrieben. Inwieweit spielt aus Ihrer Sicht der Geist bei einer Heilung eine Rolle?
Heitz: Da muss ich ein wenig ausholen, denn auch dies wird häufig belächelt. Krankheiten entwickeln sich im Laufe der Zeit. Das weiß auch die Wissenschaft (lächelt). Eine Krankheit kommt selten so daher, zumeist spielt über einen gewissen Zeitraum die Situation, das Umfeld, die Umwelt oder auch der Umgang mit sich selbst eine Rolle. Ein Mensch kann sich übrigens auch durch Gedanken krank denken! Die geistige Haltung zu sich selbst spielt eine sehr große Rolle bei Krankheit und Heilung, nur dass es ebenso wichtig ist, diese geistige Haltung auch zu leben!

Nennen Sie uns doch bitte ein Beispiel!
Heitz: Ganz einfach: Es macht keinen Sinn, sich mit einer pseudo-positiven Haltung zu denken, dass man unheimlich gesund und gut drauf sei und man alles mit dieser Haltung meistern würde, wenn man nicht auch physisch ein wenig danach lebt. Die Quittung für drei Liter Bier am Abend sollte man dann auch ertragen können (lacht). Es ist wichtig, die geistige Haltung mit der körperlichen in Einklang zu bringen. Wie heißt es so schön: "Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper." Chaos produziert Krankheit – das ist wohl ein guter Leitgedanke dazu...

Jetzt haben wir aber wenig über Golf gesprochen. Was macht Ihre Leidenschaft?
Heitz: Sie wächst und gedeiht. Ich bin an einem Punkt, an dem ich es kann (lacht). Aber ernsthaft, ich kann die Bälle oft dorthin schlagen, wo ich hinwollte. Dann wird Golf plötzlich strategisch und macht noch mehr Spaß, als es ohnehin schon macht. Ich habe im Golf meine persönliche Meditation gefunden und sehe es als Biathlon im Grünen. Das körperliche Gehen, gepaart mit diesem Moment der absoluten Konzentration beim Schlag – einmalig inspirierend!

Auch ich habe meine persönliche Meditation darin gefunden. Ein schönes Schlusswort, Frau Dr. Heitz. Ich bedanke mich für das offene und spannende Gespräch. (AM)

Erschienen in GolfMedico 01/2016. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von GolfMedico.

Weitere Informationen unter:
www.serafin.ch

 

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